Lamborghini Huracán GT3 (2015 bis 2025): Geschichte, Technik und Erfolge
Der Lamborghini Huracán GT3 zählt zu den erfolgreichsten Kundensport-Rennwagen der modernen GT3-Ära. Über ein ganzes Jahrzehnt hinweg prägte der V10-Bolide aus Sant’Agata Bolognese die internationalen GT3-Meisterschaften – von der DTM über die amerikanische IMSA-Serie bis zur GT-World-Challenge. MotorsportMarkt.de blickt auf die zehnjährige Erfolgsgeschichte zurück, nimmt die Technik des Lamborghini Huracán GT3 unter die Lupe und erinnert an seine größten Triumphe und Erfolge.
Die Geschichte des Lamborghini Huracán GT3 (2015 bis 2025)
Die Weichen für den GT3-Erfolg vom Lamborghini wurden bereits im Jahr 2013 gestellt, als der italienische Sportwagenhersteller seine hauseigene Motorsportabteilung Squadra Corse gründete. Nachdem der Super-Trofeo-Markenpokal in Europa, Asien und Nordamerika bereits großen Zuspruch fand, war der Schritt in die GT3-Kategorie der logische Entschluss. Zwar war Lamborghini dort in der Vergangenheit schon mehrfach in Erscheinung getreten, allerdings nur mit Hilfe von externen Partnern: Der Lamborghini Gallardo GT3 wurde von Reiter Engineering entwickelt und aufgebaut.
Anfang 2015 präsentierten die Italiener schließlich den Huracán GT3 – das erste von Lamborghini in Eigenregie entwickelte GT3-Fahrzeug. Bei der Entwicklung der Karosserie und Aerodynamik holte man sich allerdings tatkräftige Expertise von Dallara ins Haus, unter persönlicher Mitwirkung von Firmengründer Gian Paolo Dallara. Ein Großteil der Technik, darunter vor allem der 5,2-Liter-V10-Saugmotor, teilt sich der italienische Stier zudem mit dem Audi R8 LMS GT3.
Es war deshalb kaum verwunderlich, dass die Jungfernfahrt im internationalen Wettbewerb zu einem Einstand nach Maß wurde: Bereits beim Saisonauftakt der Blancpain-Endurance-Series (heute: GT-World-Challenge) im Jahr 2015 im königlichen Park von Monza fuhr der giftgrüne GT3-Bolide unter der Regie des Grasser Racing Teams auf Anhieb zum Gesamtsieg. Auch im ADAC GT Masters gelang dem Modell noch im selben Jahr ein perfekter Einstand: Beim Gastspiel auf dem Red Bull Ring in Spielberg fuhr der Lamborghini ebenfalls auf Anhieb zum Sieg.
In den folgenden Jahren entwickelte sich der Huracán GT3 zu einem echten Verkaufsschlager. Über seine zehnjährige Produktions- und Einsatzzeit lieferte Squadra Corse mehr als 200 Rennwagen an Kundenteams rund um den Globus aus. Der ursprünglich zu einem Nettopreis von 369.000 Euro angebotene GT3-Bolide etablierte sich damit als feste Größe in nahezu allen namhaften GT-Serien.

Nach einer Dekade voller Rennsiege und Meistertitel endete die offizielle Ära des Huracán GT3. Ganz verschwinden wird der V10-Bolide allerdings noch lange nicht: Auch in den kommenden Jahren dürfte er auf zahlreichen Rennstrecken weltweit zu sehen sein, doch Lamborghini selbst hat den Blick bereits nach vorne gerichtet. Zum Start der Saison 2026 übergab der Huracán GT3 den Staffelstab an seinen Nachfolger, den Lamborghini Temerario GT3. Mit ihm verabschiedet sich der italienische Hersteller vom frei saugenden Zehnzylinder und läutet mit einem V8-Biturbo-Konzept die nächste Generation seiner GT3-Rennwagen ein.
Die Technik des Lamborghini Huracán GT3 (2015 bis 2025)
Das technische Herzstück aller Huracán-GT3-Varianten ist der zentral im Heck platzierte 5,2-Liter-V10-Saugmotor. Das Triebwerk basiert direkt auf dem Serienaggregat der Straßenversion, wurde für den Renneinsatz allerdings umfassend angepasst. Dazu gehören unter anderem eine speziell abgestimmte Motorsteuerung von Bosch sowie modifizierte Peripheriebauteile. Die tatsächliche Leistung hängt von der jeweiligen Einstufung durch die Balance of Performance (BoP) ab und bewegt sich typischerweise zwischen 500 und knapp 600 PS.
Die Kraftübertragung auf die Hinterräder übernimmt ein sequenzielles Sechsgang-Renngetriebe von HÖR Technologie. Es wird pneumatisch betätigt und arbeitet mit einer Dreischeiben-Sintermetallkupplung sowie einem mechanischen Sperrdifferenzial an der Hinterachse zusammen. Auch beim Antriebsstrang und der Elektronik profitiert der italienische Stier von der engen technischen Verwandtschaft mit der Konzernschwester Audi und deren bewährtem R8 LMS. Diese Gemeinsamkeiten waren bereits bei der Entwicklung ein wichtiger Baustein für den schnellen Erfolg des Huracán GT3.
Damit der GT3-Bolide auch für Amateurfahrer beherrschbar bleibt, verfügt er über verschiedene elektronische Fahrhilfen, soweit es das technische Reglement zulässt. Dazu zählen eine Traktionskontrolle (TC) und ein Renn-ABS. Beide Systeme lassen sich direkt vom Cockpit aus in mehreren Stufen an die jeweiligen Streckenverhältnisse und persönlichen Vorlieben des Fahrers anpassen.
Das Chassis des Huracan GT3, der in den Grundzügen auf derselben Produktionslinie wie die Serienversionen entsteht, bevor er von der Motorsportabteilung für den Renneinsatz aufgebaut und verfeinert wird, besticht durch eine verwindungssteife Hybridbauweise aus Aluminium und Carbonfaser. Durch konsequenten Leichtbau bringt der GT3-Bolide ein Trockengewicht von lediglich rund 1.230 Kilogramm auf die Waage, also gut 300 Kilogramm weniger als das Serienpendant.
Ein vom Automobil-Weltverband FIA vorgeschriebener Überrollkäfig erstreckt sich vom Vorderwagen bis in den Bereich der Hinterachse und sorgt für zusätzliche Stabilität und Sicherheit. In der Frontpartie befindet sich ein leistungsfähiger Kühler, der auch unter hoher Belastung eine zuverlässige Kühlung gewährleistet. Schnellverschlüsse an den Karosserieteilen erleichtern die Arbeit der Mechaniker, denn beschädigte Bauteile lassen sich im hektischen Rennbetrieb innerhalb kürzester Zeit austauschen.
Bei der Entwicklung wurde ohnehin ein besonderes Augenmerk auf eine möglichst ergonomische Gestaltung für lange Endurance-Einsätze gelegt. Eine Besonderheit ist das sogenannte Roof Hatch System: Als erster GT3-Rennwagen überhaupt verfügt der Huracán über eine Rettungsöffnung im Dach. Über diese können verunglückte Fahrer von Rettungskräften besonders schonend nach oben aus dem Cockpit geborgen werden. Ein Feature, das mittlerweile längst zur Vorschrift geworden ist.
Auch bei der Sitzposition wurde auf maximale Sicherheit und Ergonomie geachtet: Während sich die Pedalerie individuell verstellen lässt, ist der FIA-zertifizierte Karbon-Sicherheitssitz fest mit dem Chassis verschraubt. Das ermöglicht eine besonders tiefe Sitzposition und trägt gleichzeitig zu einem niedrigen Fahrzeugschwerpunkt bei.
Die Evolutionsstufen des Lamborghini Huracán GT3
Um über ein ganzes Jahrzehnt hinweg an der Weltspitze konkurrenzfähig zu bleiben, wurde der italienische Rennwagen im Laufe der Jahre zweimal grundlegend überarbeitet. Die Basisversion, die ab 2015 im Einsatz war, fiel bereits durch das aggressive Design mit ausgefeilter Aerodynamik auf. Das Augenmerk lag von Beginn an darauf, den Teams ein standfestes und wartungsfreundliches Auto an die Hand zu geben, das sowohl im Sprint als auch über 24 Stunden zuverlässig funktionierte.
Die erste Überarbeitung: Lamborghini Huracan GT3 EVO (2019 bis 2022)
Im September 2018 präsentierte Lamborghini den überarbeiteten Huracán GT3 EVO, der zur Saison 2019 sein Renndebüt feierte. Die rund einjährige Entwicklungsarbeit basierte auf den Erfahrungen aus den ersten drei Einsatzjahren. Im Mittelpunkt standen eine weiter verbesserte Aerodynamik und Fahrbarkeit, insbesondere für Amateurpiloten. Gleichzeitig sollten die Betriebskosten für die Kundenteams sinken.
Optisch stach vor allem die überarbeitete Frontpartie ins Auge. Anstelle des bisherigen Glasfaser-Splitters kam nun ein Bauteil aus Kohlefaser zum Einsatz. Eine markante Mittelrippe auf der Motorhaube, die Lamborghini direkt vom Super Trofeo EVO übernahm, verbesserte zudem die Kühlleistung. In die neu gestalteten seitlichen Vertiefungen der Frontschürze ließen sich zusätzliche Flics integrieren, die für mehr Anpressdruck an der Vorderachse sorgten. Ein modifizierter Carbon-Heckflügel mit geschwungenen Endplatten und überarbeitete Diffusor-Finnen sollten die aerodynamische Nickempfindlichkeit reduzieren und das Fahrzeug insgesamt stabiler machen.
Auch unter der Karosserie legten die Ingenieure Hand an. An der Vorderachse ersetzten gefräste Vollaluminium-Komponenten die bisherigen Stahl-Lenker. Neue Vier-Wege-Dämpfer von Öhlins verbesserten die Fahrzeugkontrolle in Wankphasen und ermöglichten es den Fahrern fortan, noch aggressiver über die Randsteine zu räubern. An der Hinterachse sorgten modifizierte Radnaben, Lager und Achswellen mit Tripodegelenken für eine effizientere Kraftübertragung und einen geringeren Wartungsaufwand.
Im Cockpit wurden ebenfalls einige Neuerungen umgesetzt, darunter eine elektrohydraulische Servolenkung mit direkt am Lenkrad einstellbarer Lenkunterstützung sowie ein neu gestalteter Überrollkäfig, der den Zugang zur Dachluke und die Bergung des Fahrers erleichterte. Auch der V10-Saugmotor erhielt eine Überarbeitung: Ein optimierter Ventiltrieb mit Titanventilen und neuen Nockenwellen sollte die Standfestigkeit des Triebwerks weiter verbessern.
Die zweite Überarbeitung: Lamborghini Huracan GT3 EVO2 (2023 bis 2025)
Im Mai 2022 präsentierte Squadra Corse schließlich die letzte große Ausbaustufe des Huracán GT3: den EVO2. Ab der Saison 2023 ging der weiterentwickelte Rennwagen an den Start und feierte sein Wettbewerbsdebüt im Januar desselben Jahres bei den 24 Stunden von Daytona. Optisch und technisch orientierte sich die neue Version stärker am Straßensportwagen Huracán STO und erfüllte das überarbeitete FIA-GT3-Reglement von 2022.
Das auffälligste Erkennungsmerkmal des EVO2 ist die sechseckige Lufthutze auf dem Dach, die nahtlos in eine markante Dachfinne übergeht. Über diesen zentralen Ansaugkanal gelangt die Frischluft auf direktem Weg zum Motor. Die bisherigen seitlichen Lufteinlässe in den Kotflügeln entfielen dadurch. Das neue System senkt die Ansauglufttemperatur um rund sechs Grad Celsius und verbessert damit das Ansprechverhalten des V10-Saugmotors. Zehn neu entwickelte, elektronisch betätigte Drosselklappenstutzen ermöglichen zudem eine präzisere Zylinderfüllung. Auch bei der Wartungsfreundlichkeit dachte Lamborghini mit: Das komplette Ansaugsystem ist lediglich mit vier Schrauben am Motor befestigt und lässt sich entsprechend schnell demontieren.
Für die Aerodynamik überarbeiteten die Ingenieure gemeinsam mit dem Centro Stile die komplette Kohlefaser-Karosserie. Ziel war es, die Effizienz weiter zu steigern und zusätzlichen Abtrieb zu generieren. Auch der Unterboden wurde modifiziert und erhielt eine spezielle Zylon-Beschichtung, die das empfindliche Kohlefaserbauteil besser vor Beschädigungen schützt. Am Heck fällt insbesondere der neue Heckflügel auf, der beim EVO2 über zwei verstellbare Schwanenhalsstützen befestigt ist. Dadurch lassen sich die aerodynamischen Einstellungen noch präziser an die jeweiligen Streckenbedingungen anpassen.
Neben der Aerodynamik stand auch die Sicherheit im Fokus der Weiterentwicklung. Ein verstärkter Überrollbügel und Seitenteile in Karbon-Kevlar-Wabenstruktur sollen den Fahrer insbesondere bei seitlichen Kollisionen besser schützen. Lamborghini ermöglichte den Kundenteams zudem, bereits vorhandene Huracán-GT3-Rennwagen der älteren Generationen mithilfe entsprechender Upgrade-Kits auf den technischen Stand des EVO2 umzurüsten. Damit blieb auch die vorherige Fahrzeuggeneration für die Teams eine wirtschaftlich interessante Basis.
MotorsportMarkt.de testet: So fährt sich der Lamborghini Huracán GT3
MotorsportMarkt.de-Tester Sönke Brederlow hatte bereits in der Saison 2016 die Gelegenheit, die Basisversion des Huracán GT3 bei einem Tracktest in Valencia selbst zu fahren. Schon beim Einsteigen ist klar, dass es sich um ein reinrassiges Rennfahrzeug handelt: Der Weg führt am massiven Überrollkäfig vorbei in das enge Cockpit. Die Sitzposition ist spürbar tiefer als im Serienmodell, der Fahrer steckt förmlich in der schmalen Karbonschale und wird vom Sechspunktgurt fest an seinem Platz gehalten.
Ein Tritt auf das Bremspedal und ein Druck auf den Startknopf – schon erwacht der 5,2-Liter-V10 direkt hinter dem Fahrer zum Leben. Der erste Gang lässt sich per Zug an der rechten Schaltwippen am Lenkrad einlegen. Der Zehnzylinder brüllt bei jedem Gasstoß ungefiltert auf. Bei den Gangwechseln macht sich das pneumatische Schaltsystem mit einem markanten Brummen auf der Beifahrerseite bemerkbar.

Schon auf den ersten Metern zeigt sich, was den Huracán GT3 auszeichnet: Die Kombination aus mehrstufig einstellbarer Traktionskontrolle und Renn-ABS nimmt dem Mittelmotor-Rennwagen einen Großteil seines Schreckens. Der Lamborghini lässt sich überraschend intuitiv dirigieren. Aus engen Kehren heraus beschleunigt das Heck wie an der Schnur gezogen. Selbst im mittleren Drehzahlbereich bringt der Saugmotor seine enorme Kraft mit beeindruckender Traktion auf den Asphalt.
Gleichzeitig vermittelt die Lenkung jede noch so kleine Nuance der Fahrbahnoberfläche und gibt dem Fahrer ein präzises Feedback. Schon damals wurde schnell deutlich, weshalb der Huracán GT3 weltweit so beliebt werden sollte: Er fordert den Profi bis auf das letzte Tausendstel heraus, bietet dem Gentleman-Driver aber gleichzeitig ein vertrauenerweckendes und ausgesprochen gut kontrollierbares Handling. Eine Kombination, die im Kundensport Gold wert ist.
Die größten Erfolge des Lamborghini Huracán GT3
Der Lamborghini Huracán GT3 gehört zweifellos zu den erfolgreichsten GT3-Rennwagen seiner Generation. Bereits in seiner Debütsaison 2015 ließ der italienische V10-Bolide sein Potenzial aufblitzen und feierte mehrere Rennsiege. In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich daraus eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, in der ein Triumph den nächsten jagte.
Vor allem bei den großen Langstreckenklassikern in Nordamerika avancierte der Huracán zum echten Seriensieger. Gleich dreimal in Folge gewann der Lamborghini die GTD-Klasse bei den 24 Stunden von Daytona (2018, 2019 und 2020). Dazu kamen Klassensiege beim 12-Stunden-Rennen von Sebring in den Jahren 2018 und 2019. Damit etablierte sich der italienische Rennwagen auch jenseits des Atlantiks als feste Größe im internationalen GT-Sport.
Doch auch auf europäischem Boden sammelte das Kundensportmodell zahlreiche Erfolge. 2019 gelang dem FFF Racing Team in der GT World Challenge Europe das Kunststück, gleich alle drei Titel in der Fahrer-, Team- und Gesamtwertung zu gewinnen. 2025 folgte der Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Spa: Mirko Bortolotti, Luca Engstler und Jordan Pepper triumphierten im Lamborghini Huracán GT3 Evo 2 von Grasser Racing.
Auch im ADAC GT Masters und in der DTM gehörte der V10-Bolide regelmäßig zu den Siegkandidaten und sammelte zahlreiche Pole-Positions sowie Rennsiege. Den wohl größten Erfolg auf deutschem Boden feierte Lamborghini in der Saison 2024: Mit Werksfahrer Mirko Bortolotti am Steuer sicherte sich der Huracán GT3 den DTM-Titel.