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Technik-Check: Das neue Konzept des Sauber C37

Veröffentlicht am 20.02.2018 in Formel 1

Sauber geht in der neuen Partnerschaft mit Alfa Romeo beim C37 für die Formel-1-Saison 2018 neue Wege: Das sind die Clous am Schweizer Boliden

Sauber ist das vierte Team, das vor dem Start der Formel-1-Saison 2018 sein neues Auto präsentiert hat. Dabei muss festgehalten werden, dass der C37 einige mutige und interessante Features in sich trägt. Die erste Überraschung fällt sofort an der Nase auf. Sauber hat zwei Lufteinlässe (1) an der Spitze des Bauteils integriert. Sie ähneln den Nasenlöchern am Force India von 2015 und haben den Zweck, den Luftfluss an der Front zu verbessern.

Unterstützend wirkt die Tatsache, dass man die Vorderachse etwas nach vorn verlegt hat. Als direkte Konsequenz der Verwendung eines Ferrari-Antriebs der Generation 2018 wuchs der Radstand an. Unterhalb der Nasenkonstruktion hat Sauber zwei Leitbleche (2) installiert. Dies sollte den Luftstrom in jenem Bereich beruhigen und somit verbessern. Dieses Design haben auch die anderen beiden mit Ferrari angetriebenen Autos - allerdings bereits seit 2017.

Es ist derzeit noch noch nicht ersichtlich, ob Sauber den Lufteinlass für den S-Schacht an diesen Leitblechen installiert hat oder ob ein entsprechender Luftschacht an den Nasenlöchern angeschlossen ist. Es ist erkennbar, dass der S-Schacht zwei Auslässe besitzt: einen vor dem Pirelli-Logo auf der Nase, einen dahinter. Am wahrscheinlichsten ist, dass die beiden Leitbleche auf der Unterseite dafür sorgen, dass der S-Schacht am Übergang zwischen Nase und Chassis mit Luft "gefüttert" wird.

Interessanterweise hat Sauber die oberen Aufhängungselemente auf Radseite nach oben verlegt (3). Eine solche Lösung hatten in der vergangenen Formel-1-Saison 2017 die Autos von Mercedes und Toro Rosso. Dieser Ansatz verschafft mehr Spielraum bei der Abstimmung. Außerdem rückt dadurch der obere Querlenker in eine Position, die aerodynamisch besser ist.

Sauber ist in diesem Bereich nun sogar noch einen Schritt weiter gegangen. An vorderer und hinterer Querlenkerstrebe wurden sogenannte "Vortex-Generatoren" verbaut. Diese Wirbel erzeugenden Elemente sollen den Luftstrom optimieren. Die Verwirbelungen von den Vorderrädern werden somit minimiert, denn diese könnten die Wirkungsweise von Unterboden, Seitenkästen und Heckflügel erheblich stören.

Die Seitenkästen des C37 erscheinen im Vergleich zu den 2018er-Lösungen der bisher vorgestellten anderen Autos recht konventionell, denn die Gegner haben - ähnlich wie Ferrari 2017 - die Oberkante der Crashstrukturen absenken können. Bei genauer Betrachtung fällt allerdings auf, dass die Seitenkästen in vertikaler Richtung erheblich schmaler gestaltet werden konnten. Auch die Haupt-Lufteinlässe (4) sind nun weniger breit.

Der Sauber-Alfa-Romeo C37 weist allerdings auf beiden Seiten einen zweiten Lufteinlass für die Kühlung am Seitenkasten auf. Er liegt ein Stückchen weiter nach hinten versetzt und wird - je nach Betrachtungswinkel - oft von den Leitelementen neben und vor dem Seitenkasten (5) verdeckt. Diese Elemente gehen teils weit über das eigentlich Ausmaß des Seitenkastens hinaus.

Auch wenn man bereits bei Testfahrten 2017 bei einigen Teams die 20 Millimeter Freiheit auf dem Halo für aerodynamische Elemente verwendet sah, so ist Sauber nun das erste Team, das eine entsprechende Lösung am 2018er-Auto zeigt. Die Verkleidung des Halo (6) besteht bei Sauber auf zwei Elementen, die nicht als Flügel dienen, sondern eher dafür sorgen sollen, dass der Luftstrom sich wieder an das Fahrzeug perfekt anschmiegt. Halo sorgt als ineffizientes Aeroelement für einen unruhigen Luftstrom in jenem Bereich.

Die Überroll-Struktur mit einem aufrechten Balken (7) hat Sauber aus dem Vorjahr übernommen. Es bleibt weiterhin bei einem mehrteiligen Lufteinlass. Die größte Öffnung für die Luftzufuhr zu den Aggregaten ist jedoch etwas nach hinten versetzt worden, um der arg verwirbelten Zone hinter dem Halo etwas zu entkommen.

Die lange Haifisch-Flosse am Heck ist natürlich verschwunden, weil diese von der FIA nun verboten ist. Sauber hat nun eine kürzere Variante (8) verbaut, die jener ähnelt, die man bereits zum Ende der vergangenen Saison getestet hatte. Es gibt zusätzlich einen Periskop-ähnlichen Lufteinlass, den das Team teilweise bereits 2017 verbaut hatte, um die Temperatur unter der Haube in Grenzen zu halten.

Sauber hat im Winter gemeinsam mit Felgenhersteller OZ an Optimierungen gearbeitet. Das Ziel: Der Luftstrom durch die Felge soll verbessert werden. Auf diesem Weg kann man beispielsweise auch die Reifentemperaturen teilweise steuern. An der Hinterachse verwendet man nun eine Form, die jeder von Red Bull aus der Saison 2017 gleicht. Die Felgen weisen zahlreiche Rippen (9) auf, die wie eine Heizung wirken können.

Im vergangenen Jahr hatten Mercedes und Ferrari auf der hinteren Crashstruktur Winglets in Form eines Schnabels. Für 2018 nutzt auch Sauber nun eine solche Lösung (10), um den unkontrollierten Strömen aus dem Auspuff besser Herr zu werden.

Insgesamt ist der Sauber C37 ein interessantes Auto, das dem Team einige Fortschritte ermöglichen sollte. Ob dies zum Erfolg führen kann, hängt allerdings davon ab, wie vie die anderen Teams im Vergleich zum Vorjahr zulegen können. Viele Elemente am C37 sind Nachfolger von 2017er-Versuchteilen. Dies betrifft Frontflügel, Leitbleche, Bargeboards, Unterboden und Heckflügel - allesamt Bauteile, die vermutlich bei Tests oder bei den ersten Rennen ganz anders aussehen werden.

Bild © Giorgio Piola (Motorsport Network)
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