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Renault: Der Rückschritt begann schon nach den Titeln

Veröffentlicht am 19.01.2018 in Formel 1

Renault-Sportchef Cyril Abiteboul weist auf Versäumnis der letzten zehn Jahre hin - Wie weit das Werksteam mittlerweile gekommen ist

Seit Renault 2016 wieder als Werksteam in die Formel 1 eingestiegen ist, haben sie sich nur vorsichtige Ziele gesetzt. Ein Comeback an der Spitze, um wieder um Titel mitzufahren, ist bis heute nicht datiert. Das hat einen Hintergrund. Denn die Franzosen haben nicht nur die Überreste des finanzschwachen Lotus-Teams übernommen. Die Rückstände der Mannschaft aus Enstone gingen auf eine Zeit zurück, in der Renault noch selbst in der Verantwortung stand, wie Renault-Sportchef Cyril Abiteboul jetzt zugibt.

"Natürlich hat es bei den vorangegangenen Besitzern an Investitionen gemangelt", erklärt er gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Aber das geht auch schon auf die letzte Renault-Ära zurück. Da haben wir ein paar Möglichkeiten liegen lassen, uns zu modernisieren. Jetzt müssen wir quasi einen Zeitraum ab etwa 2007/2008 aufholen - das sind zehn Jahre und in der Formel 1 eine Ewigkeit."

Das heutige Renault-Team entsprang der einst mit Michael Schumacher erfolgreichen Benetton-Mannschaft, die 1994/1995 zwei Fahrer und einen Konstrukteurstitel holte. 2001 folgte dann jener Werksteam-Abschnitt, der zunächst zusammen mit Fernando Alonso durch die Titel 2005/2006 gekrönt wurde. Danach ging es bergab.

Nicht zuletzt die "Crashgate-Affäre" in Singapur 2009 sorgte für den Verkauf an Genii Capital, die in Enstone das Lotus-Team formten. Die Bilanz aus sechs Jahren: Zwei Siege aus 115 Grands Prix und Gesamtplatz vier in den Jahren 2012/2013. Ende 2015 wäre die Fabrik wohl stillgelegt worden, wenn Renault sich nicht für eine erneute Übernahme entschieden hätte. Seither ist es für das Werksteam ein steiniger Weg - aber die Formkurve zeigt nach klar nach oben.

Das habe man laut Abiteboul auch den vorsichtigen Aufbauarbeiten im Enstone zu verdanken: "Wir haben uns eine große Aufgabe vorgenommen, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Die Infrastruktur entwickelt sich, es kommen neue Leute dazu. Der geschäftliche Teil mag nicht der aufregendste sein, aber es ist wichtig, das Ganze auch finanzieren zu können. Wir waren sehr erfolgreich dabei, neue Partner zu akquirieren, die an unser Projekt glauben. Sie können den Fortschritt in unserer Fabrik, aber auch auf der Strecke sehen."

Rund 70 Prozent der Fabrik-Ausbauten seien bereits abgeschlossen und noch vor Saisonstart will man mit der Konkurrenz vergleichbare Strukturen geschaffen haben. Nachdem Lotus noch an einer starken Personal-Abwanderung gelitten hatte, habe man 2016 aus rund 400 Mitarbeitern bereits 500 machen können. Der Technische Direktor Nick Chester glaubt daran, dass es bis Ende 2018 noch 700 werden können.

Doch auch dabei lauern gefahren. "Man muss darauf achten, dass sich die Abteilungen gut absprechen", so Chester. "Wir sind seit Ende 2015 enorm gewachsen und es funktioniert bisher recht gut. Es gibt keine großen Probleme, aber man kann es noch optimieren. Manchmal bedeutet das nur, auf ein Level zu kommen, damit zum Beispiel die Entwurf-Abteilung mit der Aerodynamik und Produktion mithalten kann."

Bild © Sutton
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