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Motorsport wird Bio?

Umweltschonende Geschwindigkeit - Das verspricht ein neuer Naturfaserverbundstoff, der schon bald viele Carbonteile ersetzen kann.


Erste letzte Woche haben wir im Blog den neuen Porsche 718 Cayman GT4 Clubsport vorgestellt. Eine der Besonderheiten des neuen Zuffenhauseners war die Anregung für unseren heutigen Artikel: Die Türen und Heckspoiler aus Naturfaserverbunstoff.
Diese sind Ergebnis einer bereits zweijährigen Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Holzforschung.



“Bio im Automobilbau ist Hightech und nicht Strickpulli”
- Julia Klöckner (Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft)


Porsche stellte bei der Enthüllung bereits zwei Varianten des Stoffes vor: Mit Naturfaser verstärktes Plastik, welches beinahe gänzlich dem bereits weitverbreiteten mit Carbon verstärkten Plastik ähnelt, und ein rein natürlicher Verbundstoff mit einem Kern aus Balsaholz. Diese Materialien werden mit denselben Press-Techniken in Form gebracht, wie es bei Kohlenstofffaser üblich ist. Auf diese Weise werden auch die Türen des Porsche 718 Cayman GT4 Clubsport ebenfalls hergestellt.

 

Porsche 718 Cayman GT4 Clubsport Heckspoiler

                                                                                        Bild: Porsche


Doch was genau ist eigentlich der Vorteil dieser neuen Komponenten?

Nun, die Grundidee basiert natürlich auf einer gesteigerten Nachhaltigkeit der Produkte und der Unternehmen selber. Während Kohlefaser in der Entsorgung diverse Schwierigkeiten mit sich bringt, ist der Bio-Verbundstoff problemlos zu entsorgen oder recyclebar. Je nach Variante ist das Material sogar komplett biologisch abbaubar. Zusätzlich wird während der Herstellung gegenüber Kohlefaserverbundsstoffen deutlich weniger Energie benötigt. In Bezug auf die Herstellung des Rohmaterials sind dabei Einsparungen von über 75% möglich. Zusätzlich sind die Naturfaserstoffe gänzlich aus erneuerbaren Ressourcen.

Die Vorteile der Umweltschonung zeigen sich allerdings auch im Rennbetrieb. Carbonfaser mag ein sehr stabiles Material sein, doch splittert es, wenn es bricht. Laut Eduard Ene, Fachreferent CFK-Strukturen bei Porsche Motorsport, bietet der neue Naturstoff eine fünfmal so starke Vibrationsdämpfung bei schweren Schlägen. Daher splittert es nicht.Die Zweikämpfe der Rennfahrzeuge können somit enger, als auch härter zugehen. Nach einer Änderung für weniger spröde Aerodynamikteile in der DTM seit derSaison 2018, wurde als Antwort darauf direkt das, inzwischen legendäre, Duell von Gary Paffett und Timo Glock in Hockenheim geliefert. Mit vermehrter Verwendung von Naturfaserverbundstoffen können wir uns also auf ähnliche Wettstreiterein in mehreren Serien freuen.

 

Naturfaser im Motorsport, ein Wunderstoff?

Natürlich bringen auch die neuen Wunderstoffe einige Nachteile mit sich. So sind die Türen im neuen 718 GT4 Clubsport ganze 500-600 Gramm schwerer. Was allerdings bei 1320kg Gesamtgewicht ehrlicherweise zu vernachlässigen wäre. Umso mehr bleibt hier zu betonen: Der Vergleich ist auf Kohlefaser bezogen. Im direkten Vergleich zu anderen, in der Automobilbranche üblichen, Materialien sind durch Naturfaserverbndstoffe Gewichtsreduzierungen von 40-50% möglich. Alles dank des Einsatzes dieser Bio-Komponenten.

Gut, kommen wir doch zu ein-zwei kleineren Problemen. Zunächst muss gesagt sein, dass der Stoff im Vergleich mit Carbon gut abschneidet, allerdings noch nicht sicher genug für den Einsatz in Serienfahrzeugen ist. So sind die neuen Teile am GT4 durch den vorhanden Überrollkäfig zum Einsatz gekommen. Dennoch versichert Porsche eine Anstrengung die Bio-Faser schon bald in Serie zu bringen.

 

Electric GT Tesla Model S P 100 D Frontansicht

                                                                                        Bild: Electric GT


Elektrischer Motorsport mit Naturburschen-Flair

Die Rennserie electric GT, welche ausschließlich Rennversionen des Tesla Model S P100 D einsetzt, etabliert in Zusammenarbeit mit dem schweizer Unternehmen “bcomp” beinahe reine Naturfaserkarosserien. Die Tesla GTs werden so umfassend mit den Naturstoffen ausgestattet, dass eine Gewichtsreduktion von über 40% gegenüber dem Serienmodell möglich sind. Das schweizer Unternehmen setzt zudem “Ozean-Plastik” im Innenraum von Fahrzeugen ein. Es ermöglicht neben einem Recycling von schwer wiederverwertbaren Abfällen, eine weitere Gewichtseinsparung. Man merkt, dass ökologische Verantwortungnicht nur das Gewissen erleichtert.


Leuchtende Hanffasern auf den Rennstrecken

Durch die Möglichkeit LED’s in die neuen Karosserie-Teile der Rennwagen einzubetten, ergeben sich noch weitere Pluspunkte. Denn die Fahrzeuge können nun leuchtende Anzeigetafeln sein. Neben der aktuellen Position oder Informationen zum Renngeschehen, könnte sogar die Telemetrie des Fahrers erscheinen. Besondere Werbemaßnahme werden die Teamfinanzen erfreuen. Die Möglichkeiten des Einsatzes von LED sind beinahe endlos… Und genau das, können wir ebenfalls auch als Fazit zu den neuen Naturfaserverbundstoffen sagen!



Robin Dietrich
Redakteur
Motorsportmarkt

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