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Ekström: Es machte 'knack', wie ein schwedisches Knäckebrot

Veröffentlicht am 21.08.2017 in DTM

Audi-Pilot Mattias Ekström sorgte bei Mercedes-Kumpel Gary Paffett in Zandvoort für Ärger - Dabei war sein Rennen "eine der besten Leistungen meiner Karriere"

Positionskämpfe bis zu letzten Sekunde - das charakterisiert die DTM-Saison 2017. Kurz bevor die Ziellinie überquert wird, geben die Fahrer noch einmal alles. Dabei geht es nicht immer nur um den Sieg. In Zandvoort gab es in der Schlussphase noch einen heißen Kampf um den vierten Platz im Sonntagsrennen. Er beinhaltete Mattias Ekström mit "eine der besten Leistungen meiner Karriere", seinen Team Kollegen und Meisterverteidiger Nico Müller und einen aufgebrachten Gary Paffett.

Auf der reifenfressenden Strecke zwischen den Dünen kämpfte Ekström mit seinem vorderen linken Pneu, dem schon die Luft ausging. Hinter ihm stauten sich die Rivalen, die aber von Müller in Schach gehalten wurden. Die gemeinsame Verteidigungsstrategie stieß aber Paffett sauer auf. "So ein Ausbremsen gehört definitiv nicht zum Racing und zeichnet kein gutes Bild", poltert der Mercedes-Pilot hinterher. "So verhalten sich Profis nicht!"

Paffetts Vorwurf: gefährliches verlangsamen auf den Geraden. "Ich fuhr fast die ganze Zeit hinter Müller und der hat die ganze Zeit Mattias verteidigt", erklärt er gegenüber 'Autosport'. "In den Kurven 1 und 2 hat er absichtlich verlangsamt um mich aufzuhalten. Ich habe ein paar Mal versucht, an ihm vorbeizukommen, aber er war ein wenig schneller auf den Geraden. Als Eki am Ende extrem langsam wurde, war ich irgendwann außen neben Müller. Ausgangs Kurve 1 war ich dann genau hinter Eki und der ging auf der Geraden vom Gas um Nico wieder zu erlauben, an mir vorbeizukommen. Ausgangs Kurve 9 hat er dann noch einmal richtig hart gebremst. Das war komplett verrückt."

Ekström und Paffett verstehen sich neben der Strecke eigentlich sehr gut. Am Sonntagnachmittag diskutierten sie im Fahrerlager aber noch einmal heftig miteinander - wobei mehr der Brite zu Wort kam. "Ich verstehe, dass er nicht glücklich ist", erklärt Ekström. "Jeder will Punkte sammeln - er genauso wie ich. Wir kämpfen alle um das selbe. Ich werde vielleicht noch einmal mit ihm sprechen. Man hat auch mal verschiedene Meinungen. Ich bin auch mal richtig sauer - da lohnt es sich auch nicht mit mir zu sprechen. Ich glaube, wenn er meine Situation betrachtet, dann versteht er. Warum sollte ich aufhören zu kämpfen, wenn wir schon in der letzten Runde sind?"

Wie sehr Ekström mit seinem Reifen kämpfte, wurde erst kurz vor Ende des Rennens klar, als er am Funk über den Luftdruckverlust klage. Begonnen hatte das Problem schon früher. Der Schwede war im freien Training der erste, der mit einem Reifenschaden aufgefallen war. Seitdem habe das Team händeringend nach einer Lösung gesucht, möglichst konservativ mit den Pneus umzugehen.

Das Problem: Die Strecke wurde zwar mit einem neuen Asphalt ausgestattet, der nun nicht mehr so rau ist, dass er den Gummi aufreibt. Der gewonnene Grip aber macht die Autos auf dem Highspeed-Kurs noch schneller und lässt vor allem in den schnellen Rechtskurven den vorderen linken Reifen leiden.

"Plötzlich macht es nach dem Reifenwechsel 'knack', wie ein schwedisches Knäckebrot", beschreibt Ekström auf seine eigene Art, wie er im Sonntagsrennen dann in die Bredouille geriet. "Ich habe das Gas rausgenommen, aber zehn Runden vor Schluss ging dann auch langsam die Luft raus. Am Ende war nicht mehr viel drin. Gefühlt war der Reifen schon platt - ich konnte die Rechtskurven schon nicht mehr voll fahren. Ich habe so sehr gekämpft, wie ich konnte und war froh, dass Nico hinter mir war. Er hat mich gut geschützt."

Bei seinem Teamkollegen, der ihn schon ihm Moskau zu Hilfe gekommen war, bedankte sich Ekström gleich nach dem Rennen auch persönlich. "Ohne ihn hätte ich keine Chance gehabt", betont er und scherzt: "Er kriegt schon eine harte Erziehung bei Abt. Aber ich hoffe, dass ich irgendwann auch mal etwas auf sein Konto zurückzahlen kann."

Müller selbst hat sich mit seiner Situation abgefunden. Als Gesamt-13. mit nur 49 Meisterschaftspunkten ist seine Saison schon gelaufen. "Ich denke, das ist das sinnvollste, was ich machen kann", sagt der Schweizer zu einer Unterstützerrolle. "Ich hatte einen schweren Start in die Saison und meine Chancen sind schlecht. Ich habe getan, was ich konnte, um dem Team zu helfen."

Am Duell gegen Paffett hat er außerdem nichts Verwerfliches finden können: "Wir fuhren ein paar Kurven lang Seite an Seite und ich denke, das war faires Racing. Keine wurde von der Strecke gedrängt und es gab keine Berührung. Wir haben die Zuschauer unterhalten. Für mich war es so, wie es sein sollte."

Bild © xpbimages.com
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