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"Es ist noch etwas drin": Red Bull liebäugelt mit Monaco-Pole

Veröffentlicht am 25.05.2017 in Formel 1

Ricciardo (2.) kann beim Trainingsauftakt in Monaco auf fünf Zehntelsekunden an die Bestzeit von Vettel heranfahren: "Wir sind in Schlagdistanz" - Verstappen Sechster

Red Bull konnte am Donnerstag in Monaco mit der Spitze mithalten. Der Pole-Mann des Vorjahres, Daniel Ricciardo, setzte sich auf die zweite Position hinter Sebastian Vettel, Teamkollege Max Verstappen wurde solider Sechster. Obwohl Red Bull bisher in den Freitagstrainings nur in Bahrain näher an der Spitze dran war, ist man im Lager der Bullen nicht euphorisch. "Das war ein ziemlich guter Tag. Wir sind nicht zu weit weg", lautet das Resümee von Verstappen gegenüber 'Sky Sports F1' stellvertretend für die Stimmung im gesamten Team. Die Pole-Position scheint in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Der erste Trainingstag begann für Red Bull bereits zufriedenstellend. Im ersten Training fehlten Verstappen auf dem dritten Platz nur 0,346 Sekunden auf die Bestzeit von Lewis Hamilton. Und das, obwohl beim Niederländer eine Beschädigung am Unterboden auftrat, die danach längere Standzeit in der Garage zur Folge hatte. "Es geschah in der Schwimmbad-Schikane, da hast du zuerst den linken und danach den rechten Randstein. Ich weiß, aber nicht genau, was passiert ist. Ich habe die Randsteine dort zweimal berührt, danach war er bereits beschädigt", schildert er. Ricciardo konnte sich auf der fünften Position (+0,429) einreihen.

Am Nachmittag begannen die Bullen ebenso stark. Gemeinsam mit Toro Rosso markierten die Österreicher in der ersten halben Stunde die Spitze der Zeitentabelle. Sowohl der Australier als auch der Niederländer setzten jeweils auf zwei Ultrasoft-Reifensätze für ihre schnellen Umläufe, bevor der Renntrimm simuliert wurde. Ricciardo konnte damit seine Pole-Zeit aus dem Vorjahr klar unterbieten. Seine schnellste Runde, eine 1:13.207 Minuten, ist um vier Zehntelsekunden schneller und reicht für den zweiten Platz hinter Sebastian Vettel (+0,487).

Ricciardo zufrieden: "Wir sind in Schlagdistanz"

Schon im Vorjahr war Red Bull im zweiten Training an der Spitze zu finden. Ricciardo markierte die Bestzeit (in 1:14.607 Minuten). Ein gutes Vorzeichen, denn 2016 konnte er sich am Samstag auch die Pole-Position sichern. "Für einen Donnerstag hier bin ich ganz zufrieden", gibt der Pechvogel des Vorjahres gegenüber 'Sky Sports F1' zu Protokoll. "Es macht so viel Spaß auf dieser Strecke, ganz egal, wie sich das Auto anfühlt." Zwar konnte man wieder mit den anderen Topteams mithalten, dennoch müsste man sich noch ein "paar Dinge" über Nacht ansehen, so Ricciardo.

"Generell sind wir aber in Schlagdistanz und nicht eine Sekunde zurück. Das ist vielversprechend", hält er fest. Große Änderungen wird es am Red Bull jedenfalls nicht geben, versichert der Red-Bull-Pilot. Denn auf einem Straßenkurs sind Experimente bei der Abstimmung gefährlich: "Es ist immer besser, ein Auto zu fahren, das man kennt. Wenn man die Abstimmung komplett umkrempelt, kann dir das Vertrauen kosten. Wir werden ein paar Kniffe anstellen, um uns für Samstag vorzubereiten, aber nichts Großes."

¿pbbt|1|1706mon||7|Red Bull||pb¿Teamkollege Verstappen hatte auch am Nachmittag keine problemfreie Session in seiner Wahlheimat. Der Holländer, der seinen Red Bull im Vorjahr dreimal in die Mauer versenkte, konnte sich auf dem sechsten Platz einreihen. Auf die Bestzeit fehlen ihm jedoch bereits 0,7 Sekunden. Der 19-Jährige kam mehrmals in den Verkehr auf der kurzen Strecke und schimpfte lautstark am Boxenfunk über Kevin Magnussen und Kimi Räikkönen - beiden hätten ihn blockiert.

Verstappen: Reifenmanagement muss verbessert werden

¿pb2|181982.jpg|xpbimages.com|Max Verstappen|Verstappen fehlen am Freitag 0,7 Sekunden auf die Spitze, 0,3 auf Ricciardo||606|479pb¿Auch mit dem Reifenmanagement war er nicht zufrieden: "Wenn du die Reifen ins richtige Fenster bringst, ist das sehr positiv. Heute haben wir das nicht zur Gänze geschafft. Das zweite Training war deshalb auch etwas chaotisch. Trotzdem sind wir nicht sehr weit weg."

Am Teamfunk klagte Verstappen auch über Probleme beim Gangwechsel: "Ich bekomme viel Push beim Runterschalten, daher blockieren die Räder. Etwas stimmt nicht", funkte er in der Session. Später wiederholte er: "Das ist unglaublich!" Er schimpfte darüber, dass der Motor schiebt, statt zu bremsen. Helmut Marko gab nach dem Trainingstag gegenüber 'ORF' zu: "Wir haben immer wieder leichte Probleme. Jetzt zum Schluss haben beide Fahrer die Mauer leicht geküsst."

¿zt"Wenn du es locker nimmst, dann bist du Letzter."|Max Verstappen zeigt vollen Einsatz|1zt¿Verstappen verteidigt sich: "Ich bin nicht in der Mauer gelandet, das ist immer ein gutes Zeichen", schmunzelt er. Der 19-Jährige zeigte vollen Einsatz: "Wenn du es locker nimmst, dann bist du Letzter. Jeder pusht hier. Der Spielraum ist auf dieser Strecke so gering, sobald du nur einen kleinen Rutscher hast, steckst du schon in der Mauer", weiß er aus Erfahrung.

Vettel in der Favoritenrolle für die Pole-Position - Neuer "T-Wing"

"Es ist noch etwas drin", weiß Mentor Marko, fügt jedoch hinzu: "Aber nicht die fünf Zehntel, die uns auf Vettel fehlen." Vom Ferrari-Piloten ist der Österreicher begeistert: "Vettel hat eine tolle Runde hingelegt, er hatte aber auch immer freie Fahrt." Die Richtung würde schließlich auch bei den Bullen stimmen. Auf eine Runde fehlt rund eine halbe Sekunde auf Ferrari, im Longrun fehlen ebenfalls ein paar Zehntel - überraschend war man sogar in der Rennsimulation schneller als Mercedes. Für das wichtige Qualifying am Samstag ist man dennoch gerüstet - unter anderem mit einem T-Wing. "Es war höchste Zeit, dass wir das gebracht haben", betont Marko.

¿pb2|181983.jpg|xpbimages.com|T-Wing|"Wurde auch Zeit": Red Bull hat in Monaco zum ersten Mal den "T-Wing" im Einsatz||606|479pb¿Denn in Monaco ist Abtrieb Trumpf. Red Bull sah den Effekt des T-Wing bei Valtteri Bottas' Mercedes in China: "Es war offensichtlich, wie Bottas in China dieses Teil verloren hat, wie er in gewissen Sektoren plötzlich schneller wurde und in anderen, wo Abtrieb gefragt war, zurückfiel." Mit mehr Abtrieb auf einer Strecke, auf der man nicht so sehr auf Motorpower angewiesen ist, könnte für Red Bull wie schon im Vorjahr viel möglich sein. Auch die Pole-Position?

"Wir haben die Möglichkeit zwischen erster, zweiter und dritter Reihe. Für eine Pole muss alles optimal zusammenpassen. Für mich ist aber Vettel der Favorit", relativiert der Red-Bull-Berater. Chefingenieur Paul Monaghan stimmt Marko zu. Der Brite freut sich zwar darüber, dass Red Bull augenscheinlich näher an der Bestzeit dran ist, dennoch hat er Bedenken: "Ich bin mir nicht sicher, ob Mercedes die Karten schon aufgedeckt hat heute. Es wird am Samstag ziemlich eng werden. Man braucht ein gutes Qualifying, um daraus am Sonntag Kapital zu schlagen. Ich werde den Tag jedenfalls nicht vor dem Abend loben."

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